27 | Martin Amanshauser

Im Jahr 2014 hat Martin Amanshauser in 100 Geschichten festgestellt: „Falsch Reisen. Alle machen es“ (Picus Verlag). Seit über fünfzehn Jahren schon führt Amanshauser seinen Leserinnen und Lesern einmal die Woche vor, was ihm selbst als Kolumnist unter den Stift kommt und vor die Kameralinse läuft: Jeden Freitag im „Schaufenster“ der Tageszeitung „Die Presse“ komprimieren sich auf einer Beilagenseite in einem kurzem Text die Eindrücke, die der Reisende Amanshauser aus der Welt mitbringt, mehr kommentiert als illustriert durch eine Fotografie. In seinem letzten Buch „Falsch Reisen. Alle machen es“ sammelte der Autor seine Erlebnisse zu einem teilweise skurrilen Bouquet von Reiseanekdoten und -fundstücken, mit scharfem Blick und finsterem Humor kommentiert er seinen Beruf als Kolumnist: „Manchmal ist es anstrengend, eintönig wird es nie.“

Dass das „fehlerlose“ Reisen, das sich jeder Tourist wünschen würde, ein unrealistisches Ziel ist, das man am besten erst gar nicht zu erreichen versucht, lehrt Martin Amanshauser humorvoll in seinen Reisegeschichten. In seinem neuen Roman „Der Fisch in der Streichholzschachtel“ (Deuticke Verlag) machen sich die Figuren auch auf den Weg: Aus zwei anfangs separaten Erzählsträngen entwickelt sich eine gemeinsame Geschichte auf dem Meer. Fred hat seine Frau und zwei pubertierende Kinder zu einer Kreuzfahrt eingeladen, während der zweite Erzähler Salvino seine Schifffahrt aus dem Jahr 1730 schildert, die er mit einer Horde zum Meutern aufgelegter Piraten unternimmt. Beide Schiffe geraten in den selben Sturm und zwei Welten treffen aufeinander: Der „time-clash“ soll dem einen Protagonisten, der sich mit den alltäglichen Streitigkeiten und Problemen seiner Familie auf engstem Raum von der Kajüte bis zum Sonnendeck herumzuschlagen hat, eine neue Perspektive geben. So wird die anfangs von Fred als klischeebehaftet empfundene Kreuzfahrt fast zu einer Möglichkeit der Katharsis, das „falsche Reisen“ mit den vielen Unannehmlichkeiten eröffnet neue Wege, wie Martin Amanshauser das Schicksal seiner Figur Fred beschreibt: Er „hat sich selbst überwunden, hat Entscheidungen getroffen, und in gewisser Weise ergibt sich für ihn am Ende etwas anderes, wenn er auch für eine herkömmliche Karriere, wie er sie sich vorgestellt hat, nicht mehr tauglich ist. Insofern hat er es geschafft. Aber er hat nicht das geschafft, was er anstrebte.“ 

Martin Amanshauser, geboren 1968 als Sohn von Gerhard Amanshauser in Salzburg, lebt in Wien und Berlin. Zuletzt erschienen „Logbuch Welt. 52 Reisegeschichten“ (Christian Brandstätter Verlag  2007), „Viel Genuss für wenig Geld“ (Christian Brandstätter Verlag 2009), „Falsch Reisen. Alle machen es. 100 Geschichten“ (Picus Verlag 2014).

Weitere Informationen unter www.amanshauser.at und www.hanser-literaturverlage.de


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