26 | Jochen Jung

Der österreichische und der Salzburger „Literaturbetrieb“ ist ohne Jochen Jung nicht denkbar, er kann sich gegen dieses Wort, „das viele, die dazu gehören, nicht mögen“, sträuben – Teil davon ist er allemal. Das, was den Literaturbetrieb denn auch eigentlich ausmacht, „die Mischung aus Tratsch, Konkurrenz, Ideengedränge und Liebe zum Wort“, mag er ja ohnehin. Nun schon zum sechsten Mal meldet sich der Verleger und Lektor (um nur zwei seiner „Funktionen“ im „Literaturbetrieb“ zu benennen) selbst literarisch in einem Buch im Haymon Verlag zu Wort: Nach „Ein dunkelblauer Schuhkarton. Hundert Märchen und mehr“ (2000), „Täglich Fieber“ (2003), „Venezuela“ (2005), „Das süße Messer“ (2009) und „Wolkenherz“ (2012) erschien im Herbst 2015 „Zwischen Ohlsdorf und Chaville. Die Dichter und ihr Geselle“.
In seinem neuen Buch aber steht weniger der literarische Autor als der Verleger Jochen Jung im Mittelpunkt: Als eine Art Rück- und Zusammenschau versammeln sich Anekdoten und Berichte aus einem sehr spezifischen Beruf, den Jung in einem „kleine[n], aber vollständige[n] Lexikon, den Lektor betreffend“ mittels weniger Schlagworte am Ende seines Buches pointiert und selbstironisch fasst. Autoren wie H.C. Artmann, Thomas Bernhard, Peter Handke und viele andere, die Jochen Jung verlegt hat bzw. immer noch in seinem Jung und Jung Verlag betreut, treten in den Erinnerungen Jungs als Zeugen für die „Beziehungen zu Autoren und Verlegern“ auf. Diese Beziehungen sind „im Kern heikel“: Die Freundschaft zwischen beiden Seiten kennt keine Grenzen und „gehört zum Schönsten in diesem Beruf“, ausgenommen sind dann aber doch die Grenzen des Geldes. Diese und andere „Regeln“, die die Zusammenarbeit mit Autorinnen und Autoren durch die Jahrzehnte so produktiv machen, schöpft Jung aus der Erfahrung als Verleger. An diesen Erlebnissen, die ihn um die Welt, die nicht nur „zwischen Ohlsdorf und Chaville“ liegt, führen, lässt er in den persönlichen und humorvollen Episoden die Leserinnen und Leser teilhaben. 

Jochen Jung, geb. 1942 in Frankfurt a. M., lebt in Salzburg. 1975 bis 2000 war er im Salzburger Residenz Verlag tätig, als Lektor und später Geschäftsführer. Im Jahr 2000 gründete er den Jung und Jung  Verlag in Salzburg. Neben seiner Tätigkeit als Verleger und Lektor schreibt er für die ZEIT, die F.A.Z., die Wiener Presse und die Salzburger Nachrichten. 

Jochen Jung präsentiert am 1. 12. 2015 in der Rupertus Buchhandlung sein neues Buch „Zwischen Ohlsdorf und Chaville. Die Dichter und ihr Geselle“ (Haymon, 2015). Mehr Infos zur Veranstaltung unter www.leselampe-salz.at

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