42 | Teresa Präauer

Teresa Präauer "Oh Schimmi"

Teresa Präauers Bücher gehören zu den eigensinnigsten in der deutschsprachigen Literatur der Gegenwart, die Autorin selbst zu jenen Schriftstellerinnen, die darauf beharren, dass Texte allererst‚ sprachliche Kunstwerke‘ vorstellen und sich nicht auf die routinierte Schilderung von Handlungssträngen reduzieren lassen.
 
Teresa Präauer, geboren in Linz, aufgewachsen im Pongau, hat in Salzburg und Berlin Deutsche Philologie und Malerei studiert. „Oh Schimmi“ ist, nach „Für den Herrscher aus Übersee“ (2012) und „Johnny und Jean“ (2014), ihr dritter Roman. Sie ist nicht nur als literarische Autorin tätig, sondern auch als bildende Künstlerin, wobei die beiden Bereiche immer auch produktive Allianzen eingehen. Die Ausstellung „Bleistift, Heft & Laptop“, die bis Februar 2017 im Literaturmuseum in Wien zu sehen ist, stellt dies eindrücklich unter Beweis. In Präauers Arbeiten ergeben Bild und Text zusammen und mit Blick auf das jeweils andere Feld künstlerische Konstellationen, die uns die Möglichkeit eröffnen, beim Lesen und Schauen etwas Neues, etwas Überraschendes, oft auch etwas Irritierendes zu erleben. (Ist das am Ende nicht das gemeinsame Kriterium von bildender Kunst und Literatur?)
 
Ein wichtiger Aspekt ihres Schaffens an der Schnittstelle von Schreiben und Zeichnen ist seit vielen Jahren die Beschäftigung mit dem Animalischen. Enthielt schon ihr erstes Buch „Taubenbriefe von Stummen und anderer Vögel Küken“ (2009) eigene Illustrationen, gestaltete sie zwei Jahre später  gemeinsam mit Erich Gruber, der als bildender Künstler in Salzburg lebt, den Band „Wilde Hunde“. Zuletzt hat Präauer als Gastdozentin am Berliner Peter-Szondi-Institut eine Vorlesung unter den Titel „Tier werden“ gestellt. In ihrem neuen Roman „Oh Schimmi“ tritt den Lesern ein veritabler Affe entgegen, oder jedenfalls ein junger Mann, der den abwimmelnden Hinweis der von ihm verehrten Ninni, er solle sich doch bitte nicht zum Affen machen, wörtlich nimmt. – „Ja, ich wunderte mich, schon als Kind, dass ihr alle so duldsam seid […]: dass nicht an der Supermarktkassa jeder zweite in der Schlange gleich anfängt zu brüllen beim Sich-Anstellen, zu röhren, zu bellen, zu quieken. Aus der Reihe zu flattern, zu grunzen, zu muhen.“ – Am Ende schlüpft er in einem Kostümshop in das Fell eines Affen, um einen neuen Anlauf zu ihrer Wohnung und, ja, auch zu ihrem Herzen zu nehmen.

Harald Gschwandtner

Teresa Präauer liest am Mittwoch, den 30.11. 2016 um 19.30 Uhr in der ARGEkultur aus „Oh Schimmi“ im Rahmen von W&K-Forum: „GeschlechterSpielRäume”. Außerdem: Thomas Meinecke / DJ-Set mit Didi Neidhart & Thomas Meinecke

Eintritt frei!

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.