35 | Bettina Balàka

In ihrem Roman möchte Bettina Balàka Geschlechterklischees des Krimigenres untergraben. Die Leserinnen und Leser blicken der Männer mordenden, in Wien ansässigen Restaurantbesitzerin Elisabetta Zorzi über die Schulter, von Anfang an beobachtet man sie bei ihren Taten und gerät so in die spannungsvollge Lage, an der Perspektive der Täterin teilzuhaben und Verständnis zu empfinden, gleichzeitig natürlich ihre baldige Verhaftung zu wünschen. Diese Festnahme ist im Stile des „Howcatchem“ das eigentliche Ziel und soll mit Hilfe des Kriminalpsychologen Arnold Körber vonstatten gehen. Auch der Kriminalpsychologe darf nicht dem Krimiserien-Mainstream entspringen, vielmehr tritt er als vermeintlicher Underdog auf, tätowiert und Metal-Shirts tragend, gleichzeitig aber erfolgreicher Autor populärwissenschaftlicher Studien zu Mördern und ihren Motiven. Der anfechtbare Wissenschaftler als Thema, ausgehend von der Idee, dass das Phänomen des Mörder-Groupies nicht unbedingt geschlechter-, nämlich frauenspezifisch sein muss. Nachdem Arnold Zorzi in ihrer Küche überführen konnte und sie die drei Morde an ihren Lebensgefährten gestanden hat, wird die gutaussehende, kultivierte Mörderin inhaftiert. In weiteren Einzelgesprächen muss nun der Psychologe, der doch eigentlich die Psyche und den modus operandi Zorzis genau studiert hat, der Mörderin erliegen. Er besucht sie immer öfter und schließlich kann ein Langzeitbesuch in einem mehr oder weniger romantischen Wohnraum im Gefängnis eingefädelt werden. Diese romantische Verbindung scheint noch ein weiteres Männerleben zu gefährden...

Bettina Balàka, geboren 1966 in Salzburg, lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin in Wien. Bisher sind von ihr u.a. der Erzählband Auf offenem Meer (2010) und die Romane Kassiopeia (2012) und Unter Menschen (2014) erschienen. 

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